Formen     Liquordruck     Normaldruckhydrozephalus     Shunts und Ventile     Ventrikulostomie

   

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Das Liquorsystem des Erwachsenen enthält ca. 150-200 ml Liquor. Diese Menge wird mehrmals täglich in einer Art Filterverfahren von den Plexus erneuert (500-600 ml/Tag bzw. 24ml/Stunde).

Der Liquor zirkuliert bekannterweise von den Seitenventrikeln durch die Foramina Monroi in den 3.Ventrikel, dann durch den Aquädukt in den 4.Ventrikel, sodann über die Foramina Luschkae und Magendii zum umhüllenden Liquorraum der basalen Zisternen und über den Hemisphären. Über Ausstülpungen der Arachnoidea in die Sinus und Diploëvenen hinein - die Pacchioni'schen Granulationen - gelangt der Liquor zurück ins venöse System.

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Hydrozephalus ist, wenn Produktion und Resorption nicht im Gleichgewicht stehen.

Abgesehen vom extrem seltenen Plexuspapillom mit tatsächlicher Überproduktion handelt es sich immer um gestörte Zirkulation oder mangelnde Resorption. Bei einem Passagehindernis spricht man von Verschlußhydrozephalus. Die aresorptive Form nennt man auch kommunizierend, weil hier kein Passagehindernis besteht, also alle Liquorräume kommunizieren, indem die Pacchioni'schen Granulationen verklebt sind.

Diese Hydrozephalusformen führen zu einer akuten (bei Subarachnoidalblutung, bei tumorbedingtem Verschluß, bei Meningitis) oder einer chronischen

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Liquordrucksteigerung. Man sieht dies in der CT oder MRT an den sogenannten Druckkäppchen über den Vorderhörnern, genannt periventrikuläre Dichteminderung: Liquor preßt sich unter Druck ins angrenzende Hirnparenchym. Man sieht das auch an dem rundlichen "ballonierten" 3. Ventrikel, der normalerweise schlitzförmig ist. Schlitzförmig sind normalerweise auch die Unterhörner der Seitenventrikel, die unter Liquordruckerhöhung jedoch erweitert sind. Das Ventrikelsystem ist insgesamt erweitert, zumindest "verplumpt", die äußeren Liquorräume wie kortikale Sulci und basale Zisternen sind verengt.

    

Lang anhaltende Drucksteigerung führt zur subependymalen Gliose, zur langsamen Atrophie des Marklagers durch Untergehen von Axonen. Bei stärkerer Drucksteigerung über Wochen und Monate sind Stauungspapillen und schließlich Amaurose durch Opticus-Atrophie möglich. Der unbehandelte Hydrozephalus endet zu 50% tödlich, entweder über frühe Einklemmung oder indirekt über Komplikationen. Die übrigen Patienten überleben in einer chronifizierten, inaktiv gewordenen Form mit normalem Liquordruck und nicht weiter fortschreitenden Symptomen - "arrested hydrocephalus". Nur 11-18% dieser Gruppe sind ohne neurologische Symptome und besitzen normale kognitive Fähigkeiten.

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Eine Sonderform stellt der sog. Normaldruckhydrozephalus   des Erwachsenen dar, erstmals beschrieben 1965 durch Hakim und Adams. Bei einer homogenen Patientengruppe, gekennzeichnet durch Ataxie, Harninkontinenz und Demenz, fanden sie bei lumbaler Druckmessung mit dem Steigrohr keine erhöhten Drucke - von daher der Name Normaldruckhydrozephalus. Die Ventrikel waren erweitert.

Bei kontinuierlicher Druckmessung über einen Ventrikelkatheter wird man bei diesen Patienten ebenfalls über weite Strecken einen normalen Druck messen. Zwischendurch aber, vor allem nachts, wird man jedoch kurze steile Anstiege auf 20-30 mm Hg finden, sogenannte B-Wellen von 1-2 Minuten Dauer.

Eine eindeutige klinische Besserung nach Lumbalpunktion von 30-40 ml Liquor ist ebenfalls diagnostisch hilfreich. Dies kann ggf. durch EEG-Ableitung vor und nach Punktion objektiviert werden.

Differentialdiagnostische Schwierigkeiten bereitet die Abgrenzung zum Parkinson-Syndrom. Auch beim Normaldruckhydrozephalus findet man häufig spastischen Rigor, eher die unteren Extremitäten betreffend. Schwierig ist oft die Abgrenzung zu anderen Formen der Demenz wie M.Alzheimer und arteriosklerotischer Demenz.

Die wichtigsten Kriterien für das tatsächliche Vorliegen eines Normaldruckhydrozephalus und damit Aussicht auf Erfolg bei Anlage eines Shunt-Systemes sind:

- Klassische Trias aus Gangstörung, Demenz, Harninkontinenz

- Ventrikelerweiterung mit Druckzeichen, ohne kortikale Atrophie

- B-Wellen > 25%, alternativ Besserung von Klinik und EEG nach Lumbalpunktion

- unbekannte Ursache.

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Welche Shunt-Formen gibt es: ventrikulo-atrial, ventrikulo-peritoneal, lumboperitoneal, pleural.

Es gibt eine Unmenge von Ventilmechanismen, mittels derer ein bestimmter Öffnungsdruck realisiert wird.

Die Öffnungsdrucke sind entweder voreingestellt (mit einer fabrikationsbedingten Streubreite) oder sie können perkutan variiert werden. Vorteil der programmierbaren Ventile: wenn sich herausstellt, daß nach Implantation der Öffnungsdruck doch nicht der Situation des Patienten gerecht wird, so ist nur eine perkutane Umprogrammierung notwendig, kein Ventilaustausch durch erneute Operation. Auch ist eine individuelle Einstellung, sozusagen Titrierung des Öffnungsdruckes, möglich. Nachteil: Der Mechanismus verstellt sich durch MRT-Untersuchungen.


    

Die Komplikationsrate von Shunt-Systemen kann bis zu 35% betragen. Das wundert nicht, wenn man sieht, aus wievielen Teilen solch ein System besteht. Diskonnektion ist an verschiedenen Stellen möglich, Fehlplazierung bei der Implantation, Katheter und Ventile können durch Eiweiß und Zelldetritus verstopfen.

Die Infektionsrate liegt nach aktuellen Literaturangaben bei 7-15%, wurde früher mit bis zu 35% berichtet. Durch strenge intraoperative Verhaltensregeln, durch perioperative systemische Antibiotikagabe und Spülung sämtlicher Implantate in Gentamicin oder Vancomycin vor dem Einsetzen läßt sich die Infektionsrate auf Null senken.

Als weitere Komplikation ist zu nennen die Ausbildung eines Entlastungshygromes durch Überdrainage, schlimmstenfalls mit Einblutung in Form eines subduralen Hämatomes.

                 

Dieselbe Gefahr besteht übrigens, wenn externe Ventrikeldrainagen zu viel fördern, wenn nicht darauf geachtet wird, sie beim Umlagern, Mobilisieren oder Transport abzuklemmen.

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"The best shunt is no shunt" sagen Kinderneurochirurgen angesichts dieser Menge an Anfälligkeiten und Problemen in Zusammenhang mit den Shunt-Systemen. Der beste Shunt ist kein Shunt - wie soll das gehen ? Das Zauberwort heißt Ventrikulostomie. Genauer ist der englische Begriff  "3rd-ventriculostomy".

Sehen wir uns wieder unser Schema der Liquorzirkulation an: Es geht um die Fälle mit Okklusionshydrozephalus, mit Verschluß also im Aquäduktbereich oder hinteren 3. Ventrikel oder im 4. Ventrikel. Statt wie üblich beim Shunt eine großräumige Umleitung anzulegen vom Seitenventrikel durch die Schädeldecke, dann subkutan in Herzvorhof oder Bauchhöhle, schafft man am Boden des 3. Ventrikels ein Fenster als kürzeste Verbindung zu den äußeren Liquorräumen basal. Von hier, den basalen Zisternen, gelangt der Liquor über den Subarachnoidalraum der Hirnoberfläche zu den Resorptionsorten wie beschrieben.

    

Die Grundidee stammt schon von Dandy aus dem Jahre 1922. Er wählte den subtemporalen Zugang.

Heute wird endoskopisch dieser Weg gewählt:

     

Die Erfolgsrate dieser Maßnahme liegt bei 90% in den Fällen von nicht-kommunizierendem Hydrocephalus, also Block hinter dem 3. Ventrikel. Die Wiederverschlußrate des geschaffenen Defektes liegt bei 2%.

Hier zwei Beispiele nach Ventrikulostomie:

      

Erstaunlicherweise wirkt diese Ventrikolostomie auch in 44-50% der Fälle von kommunizierendem Hydrocephalus, wofür man bisher keine rechte Erklärung hat.

Betrachtet man den hohen Anteil von Occlusus-Patienten zusammen mit diesen 40-50% der übrigen Hydrozephalusformen, so ergeben sich hier ganz neue Dimensionen einer alternativen Behandlungsform - auch unter ökonomischem Aspekt, nicht nur was Materialkosten betrifft, sondern auch die Folgekosten bei implantierten Shuntsystemen.


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